5 thoughts on “Gedanken zu „Wentorf pflastert ab“

  1. Noch einmal hier kurz zusammengefasst: Was gibt es eigentlich schon an Regeln gegen Flächenversiegelung? Vieles existiert bereits – allerdings oft eher als Zielvorgabe oder Empfehlung statt als harte Grenze. „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ ist im Baugesetz verankert. Gemeinden sollen zuerst Baulücken, Leerstand und Brachen nutzen, bevor neue Flächen am Ortsrand bebaut werden. In der Praxis bleibt dabei jedoch viel Spielraum. Sowohl der Bund als auch Schleswig-Holstein haben Ziele zur Reduzierung des Flächenverbrauchs formuliert. Das Problem: Diese Ziele sind politisch formuliert, aber kaum verbindlich und ohne echte Sanktionen bei Überschreitung. Eine echte Versiegelungsabgabe, die neue versiegelte Flächen dauerhaft teuer machen würde, gibt es bislang praktisch nicht. Instrumente für Rückbau und Entsiegelung existieren zwar im Baugesetzbuch, werden aber selten konsequent genutzt. Auch Raumordnung und Landesplanung enthalten Vorgaben zum Flächensparen und zur nachhaltigen Entwicklung. Viele dieser Regeln sind jedoch Abwägungssache und hängen stark vom politischen Willen vor Ort ab.

  2. Herrn Lesko´s Gedanken sind auch die Meinen seit Jahrzehnten!
    Was kann ich armes Milchmädchen nur daran ändern? Das frage ich mich schon genauso lange!
    Wann greift endlich das Bewusstsein der Politiker? (Oder handeln sie bei vollem Bewusstsein?)
    Es wird immer der billigste und einfachste Weg gewählt! Die Zukunft wird außer Acht gelassen,
    denn dann sind die Entscheider sowieso nicht mehr im Amt ! Ich bin untröstlich über diese Gleichgültigkeit!

  3. Moin, Ralf, gut überlegt und argumentiert. Dem stimme ich in jedem Punkt zu. –
    Dazu fällt mir die „Wentorfer Weide“ ein: Fa Aldi hatte einen guten Plan zur Ausgleichsbegrünung vorgelegt. Dem auch die Grünen zustimmten. Aber auch hier kam zu einer „Erhöhung“ – symbolisch – des Gedanken zum Erhalt der Weide. „Wir singen für die Weide …“
    Auch eine Verklärung und Verkennung der Verhältnismäßigkeit.
    Aus meiner Sicht: Lächerlich und peinlich.
    Uli Gröhn

  4. Was soll an dieser Stelle die Forderung nach verbindlichen Regeln? Die haben wir längst auch in S-H in der Landesbauordnung. Was wir nicht haben: deren konsequente Durchsetzung. Die gab es bisher nicht, Kontrolle fand nicht statt, wird auch künftig nicht stattfinden, weil nicht wirklich gewollt oder kein Personal verfügbar. Das einzige was hilft, ist ein Schärfen des Problembewußtseins auf allen Ebenen unserer Gesellschaft. Dafür könnte diese Aktion einen Beitrag leisten.

    1. Das ist ein sehr berechtigter Einwand – und ich würde dir in einem zentralen Punkt ausdrücklich zustimmen:
      Ohne konsequente Durchsetzung bleiben selbst gute Regeln wirkungslos.
      Gerade im Bau- und Planungsrecht sieht man das ja häufig: Es gibt Vorgaben, Abwägungsgebote und auch Instrumente, aber in der Praxis entscheidet am Ende oft die konkrete Umsetzung vor Ort – und die hängt nun mal an Personal, Prioritäten und politischem Willen.
      Insofern hast du recht: Kontrolle und Anwendung sind entscheidend. Wenn bestehende Regelungen nicht genutzt oder überprüft werden, entfalten sie kaum Wirkung.
      Gleichzeitig würde ich die Forderung nach verbindlicheren Regeln nicht ganz fallen lassen. Denn viele der bestehenden Vorgaben sind tatsächlich eher als „Leitplanken“ formuliert – also mit Spielräumen. Genau diese Spielräume führen dann dazu, dass selbst bei guter Rechtslage am Ende doch wieder neue Flächen ausgewiesen werden können. Verbindlichere Instrumente könnten hier zumindest den Rahmen enger setzen und Entscheidungen klarer machen.
      Ich würde es deshalb eher als Zusammenspiel sehen: Regeln, die klar genug sind, um Orientierung zu geben
      und deren konsequente Anwendung, damit sie nicht nur auf dem Papier stehen.

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