Am 27. April 2026 beschäftigte sich der Bürgerausschuss der Gemeindevertretung Wentorf erstmals mit der Thematik des sinkenden Bedarfs an Kindertagesplätzen und setzte die Vorgaben des Kreises zum Abbau von unbesetzten Betreuungsplätze auch gleich um. Ab 01.08.2026 wurde das Betreuungsangebot für das Kindergartenjahr 2026/2027 um 22 Elementar- und 5 Krippenplätze reduziert. Im Einzelnen waren dies Sportini Kids von 60 auf 45 Elementarplätze, Lütte Lüüd von 80 auf 75 Elementarplätze und Zauberwald von 40 auf 35 Krippenplätze. Zusätzlich wurde entschieden, dass die Planungen des Ersatzneubaus der Kindertagesstätte Lütte Lüüd um 2 Gruppen, d.h. 20 Elementar- und 10 Krippenplätzen reduziert werden. Alle Reduzierungen erfolgten in Abstimmung zwischen der Verwaltung und den betroffenen Kitas.
Da die Gemeinde damit rechnet, dass bis 2030 weitere 15 Krippen- und 102 Kindertagesplätze abgebaut werden müssen, reichen die bereits getroffenen Maßnahmen schon ab 2027 nicht mehr aus. Dahinter steht die Erwartung, dass die Geburten in Wentorf bis 2030 um 65,5 % sinken und kaum junge Familien zuziehen werden. Die Förderung durch den Kreis sinkt entsprechend und ab einer Auslastungsquote unter 75 % ist eine Kindertagesstätte (im Folgenden „Kita“) nach Einschätzung der Gemeinde nicht mehr wirtschaftlich zu betrieben. Inwieweit die Schätzungen der Bevölkerungsentwicklung realistisch sind, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Trifft man aber die Annahme, dass sich die bisherigen Entwicklungen linear fortsetzen, so sind die Zahlen der Gemeinde eher optimistisch und vor allem wird das Problem 2030 noch nicht gelöst sein.
Damit diese Zwangssituation nicht zu einem Hauen und Stechen zwischen den Kitas der Gemeinde führt, haben sich die Kitas mit der Verwaltung auf Parameter geeinigt, um einen möglichst fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Dazu gehören (1) die Aufnahme aller Kinder, unabhängig vom Wohnort, (2) die Beibehaltung der bisherigen, abgestimmten Aufnahmepraxis und – vielleicht als Wichtigstes – (3) keine „Abwerbemaßnahmen“.
Um für alle Beteiligten eine künftige Reduzierung und/oder Schließung von Gruppen oder ggf. ganzen Kitas transparent und nachvollziehbar zu machen, schlägt die Verwaltung vor, einen Kriterienkatalog (Bewertungsmatrix_Vorstellung_BA.xlsx) für eine Bewertung heranzuziehen. Neben der Transparenz des Verfahrens hofft die Gemeinde so ihre Angebotsvielfalt an Kitas auch bei weiteren Reduzierungen des Kitabedarfsplans und entsprechend geringeren Fördermitteln aktiv gestalten zu können.
An den vorgeschlagenen Kriterien, also dem Versuch der Verantwortlichen Kürzungen von Kita Plätzen objektiver und nachvollziehbar zu entscheiden, gibt es bis heute Kritik. Proaktiv hatte die Verwaltung vorgeschlagen pädagogische Konzepte (fehlende Vergleichbarkeit der Konzepte), den Standortfaktor (20 Minuten Fahrzeit sind zumutbar) und die Betreuungszeiten (zeitlich passendes Angebot in jeder Kita) nicht in die Matrix mit aufzunehmen. Im Bürgerausschuss am 24. August reagierten dann Einwohner mit einer langen Liste an Kriterien, die noch in der Matrix zu berücksichtigen seien. Beispiele sind die Größe der Einrichtung, Größe des Geländes oder Alleinstellungsmerkmale wie z.B. Demokratie-Kita, konfessionelle Kita, Sport-Kita etc. Die Diskussion um die Kriterien ist also eröffnet. Ob sich der Gemeinderat in der Lage sieht – wie von der Verwaltung gewünscht – bis zur letzten Sitzung des Jahres 2026 seine Prioritäten festzulegen, erscheint bislang unsicher. Das befürchtete „Hauen und Stechen“ der Kitas untereinander scheint sich auf die in der Matrix angewandten Kriterien verlagert zu haben.
Gab es nach Bekanntgabe der Kriterien ad hoc Einschätzungen, dass besonders die kleineren Kitas wie die evangelische „Am Burgberg“ oder der „Spatz“ betroffen wären, fokussieren sich die Befürchtungen mittlerweile auf die KiTa „Lütte Lüüd“. Die Grundschule benötigt demnächst die Fläche, auf der das Gebäude der Kita liegt. Und sollte die Gemeinde gleichzeitig den in Planung befindlichen Neubau streichen und damit über 5 Mio. € sparen, hätte sich ein Problem quasi von selbst erledigt. Offiziell wird der Verbindung dieser beiden Themen vehement widersprochen, z.B. durch die Bürgermeisterin auf der Einwohnerversammlung. Allerdings scheint die Versuchung (z.B. im Hauptausschuss: Wentorf muss 8 Mio. € sparen) zumindest aus dem finanziellen Blickwinkel groß zu sein.
Doch wenn sich die demographische Entwicklung wie bislang fortsetzt und Wentorf wie so manche andere Kommune in Deutschland „überaltert“, erscheint ein Schrumpfungsprozess bei den KiTa Plätzen unausweichlich. Der Angang der Gemeinde ist der Versuch so einen Prozess im Interesse aller Beteiligten transparent zu gestalten und wo immer möglich zu steuern. Um diesen Angang nicht zu gefährden, sollte man sich zügig auf Bewertungskriterien der Kitas einigen. Das bedeutet auch sich bei den teilweise hochemotional geführten Diskussionen nicht im klein/klein zu verhaken.