Lageplan der Bismarck Kaserne
Dieses Buch des Historikers Jakob Saß (Skandale in Uniform. Die lange Geschichte des Rechtsradikalismus in der Bundeswehr, Hamburger Edition, ISBN 978-3-98722-011-1 WG 1557, September 2026, 40 €) ist die erste Gesamtdarstellung rechtsradikaler Skandale in der Bundeswehr. Aus seiner Sicht, die er in einem Interview mit DIE ZEIT vom 08.102026 darlegte, zeigt die ehemalige Bismarck Kaserne in Wentorf beispielhaft wie ein rechtsradikales Netzwerk in der Bundeswehr entstehen und über lange Zeit unangetastet bleiben konnte. Vor allem im Jägerbataillon 162 pflegte man einen toxischen Kriegerkult, verherrlichte die NS-Zeit und schaute weg bei Entgleisungen. Bekennende Neonazis machten Karriere und lernten Fallschirmspringen, Nahkampf und den Umgang mit Scharfschützengewehren. Zum Netzwerk gehörte auch der spätere Neonazi-Anführer Michael Kühnen.
Neben der ausführlichen Schilderung wie sich in der Bismarck Kaserne rechtsradikale Strukturen ausbildeten, beschäftigt sich der Historiker intensiv mit dem Übergang von der Wehrmacht auf die Bundeswehr. Dabei wird herausgearbeitet, dass die von der Adenauer-Regierung politisch gewollte Westbindung nur mit einer schnell aufgebauten „neuen Wehrmacht“ realisierbar war. Aus dieser Sicht war die Reintegration der Wehrmachtelite alternativlos. Adenauer gab eine Ehrenerklärung für die Wehrmacht ab, rehabilitierte sogar Angehörige der Waffen-SS und nahm hunderte von ihnen in die spätere Bundeswehr auf. Kein Wunder, wenn es der Bundeswehr später schwer fiel Wehrmachtsverbrechen aufzuarbeiten.