Vom 28. August bis zum 13. September heißt es in Wentorf wieder: Staunen erlaubt. Der Zirkus Frank kommt – und bringt ein Stück Kindheit mit. Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt einen Zirkus besucht? Nicht im Fernsehen. Nicht als YouTube-Video. Nicht irgendeine spektakuläre Show mit Lasern, Drohnen und 3D-Effekten. Sondern einen richtigen Zirkus. Ein Zelt. Eine Manege. Musik. Artisten. Jongleure. Einen Clown. Und dieses merkwürdige Gefühl im Bauch, wenn man als Kind zum ersten Mal erlebt, dass Menschen offenbar Dinge können, die normale Menschen besser nicht ausprobieren sollten.
Jetzt gibt es in Wentorf wieder Gelegenheit dazu.
Wieder einmal kommt der Zirkus Frank nach Wentorf und präsentiert sein neues Programm „Magie des Dschungels“. Das traditionsreiche Familienunternehmen ist seit mehreren Generationen im Zirkusgeschäft unterwegs und verspricht ein gut zweistündiges Programm mit klassischer und neuer Zirkuskunst: Artistik in der Manege und unter der Zirkuskuppel, Jonglage, Akrobatik, Livemusik und natürlich Clowns. Mit dabei sind auch Künstler aus Deutschland und Tschechien.
Ja, Zirkus ist ein bisschen aus der Zeit gefallen
Und genau das ist vielleicht gar nicht schlecht. Denn der Zirkus verlangt etwas von uns, das heute selten geworden ist: Wir müssen hingehen. Wir können ihn nicht nebenbei anschauen. Wir können nicht vorspulen. Wir können nicht nach zehn Minuten zum nächsten Video wechseln. Wir sitzen da und warten, was passiert. Und dann passiert etwas. Das Licht geht an. Die Musik beginnt. Jemand betritt die Manege. Ein Artist steigt hinauf zur Kuppel. Bälle, Keulen oder andere Dinge fliegen durch die Luft. Der Clown stolpert – hoffentlich absichtlich – und irgendwo neben uns lacht ein Kind so laut, dass man selbst wieder lachen muss. Das ist Zirkus. Nicht perfekt. Nicht virtuell. Nicht beliebig verfügbar. Ein echtes Erlebnis zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Der Kindertraum unter dem Zeltdach
Vielleicht erinnern sich manche von uns noch an den eigenen ersten Zirkusbesuch. Man wusste nicht, was einen erwartet. Schon das Zirkuszelt war ein Versprechen. Es stand plötzlich da und machte aus einem gewöhnlichen Platz einen besonderen Ort. Und dann diese Manege. Für Kinder ist sie eine Bühne der Fantasie. Für Erwachsene ist sie manchmal eine kleine Zeitmaschine. Denn plötzlich ist man wieder sechs, acht oder zehn Jahre alt und fragt sich nicht, ob das alles noch zeitgemäß ist. Man fragt sich nur: „Wie macht der das?“ Der Zirkus Frank möchte genau dieses Staunen mit seinem neuen Programm „Magie des Dschungels“ nach Wentorf bringen. Der Zirkus selbst bringt es ziemlich treffend auf den Punkt: Zirkus bedeute, anzuschauen, zu staunen, sich zu wundern und zu lachen – und den Moment zu erleben, in dem das Unmögliche in der Manege plötzlich machbar erscheint.
Wenn wir ihn behalten wollen, müssen wir ihn besuchen
Und vielleicht sollten wir an dieser Stelle einmal ganz unromantisch werden. Familienzirkusse können nur existieren, wenn Menschen kommen. Das klingt banal, ist aber die entscheidende Wahrheit. Wer sich darüber freut, dass ein traditioneller Zirkus überhaupt noch auf Tour geht, sollte nicht gleichzeitig darauf warten, dass andere die Eintrittskarte kaufen. Denn solche Zirkusse leben nicht von nostalgischen Erinnerungen.
Sie leben von ihrem Publikum.
Wir können darüber reden, dass Kinder heute mehr echte Erlebnisse brauchen. Wir können darüber klagen, dass immer mehr gemeinschaftliche Erfahrungen durch digitale Angebote ersetzt werden. Wir können uns wünschen, dass Traditionen nicht verschwinden. Oder wir machen etwas ganz Einfaches: Wir gehen hin. Mit den Kindern. Mit den Enkeln. Oder einfach selbst. Denn vielleicht ist Zirkus ja tatsächlich ein wenig aus der Zeit gefallen. Aber manches, was aus der Zeit gefallen ist, sollte man nicht wegwerfen. Manches sollte man bewahren.
Also: Vorhang auf!
Vom 28. August bis zum 13. September gastiert der Zirkus Frank in Wentorf. Und vielleicht sitzen dann unter dem Zeltdach Kinder, die ihren ersten Zirkus erleben. Vielleicht sitzen daneben Eltern oder Großeltern, die sich an ihren eigenen ersten Besuch erinnern. Und wenn am Ende alle gemeinsam staunen, lachen und für einen Moment den Alltag vergessen haben, dann hat sich die Sache schon gelohnt. Manege frei für einen alten Kindertraum. Und für die Erinnerung daran, dass nicht alles, was modern ist, automatisch besser sein muss.
Beitragsfoto: Zirkus Frank