Ein schweres Vorhaben
Im Hauptausschuss am 16. September 2026 wurde ein Antrag zur Überprüfung des Personalbedarfs der Kommune einstimmig verabschiedet. Es geht um Kosteneinsparungen und Stellenabbau. Im Originalton: „Ziel des Antrags ist keine pauschale Stellenreduzierung, sondern eine systematische Überprüfung von Aufgaben, Personalbedarf und organisatorischen Möglichkeiten. Auf dieser Grundlage soll eine sachlich tiefergehende Diskussion ermöglicht werden – auch über einen verlässlichen Personalrahmen, der sowohl die Leistungsfähigkeit der Verwaltung als auch die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde berücksichtigt.“ Diese vorsichtige Herangehensweise an ein potenziell heikles Thema ist sicherlich angemessen, spiegelt aber auch die Erfahrungen der letzten Jahre.
Betrachtete man die Jahresergebnisse der Gemeinde, trat wiederholt ein überraschender Effekt auf: Während Jahr für Jahr ein deutlich negatives Ergebnis geplant war, war das tatsächliche Ergebnis positiv. Vereinfacht gesagt: Ein wesentlicher Grund hierfür war, dass die Besetzung offener Stellen zwar geplant, aber nicht realisiert werden konnte. Der zweite Grund war, dass aufgrund fehlenden Personals wesentliche Vorhaben der Gemeinde, wie beispielsweise die Sanierung am Bergedorfer Weg oder auch das Feuerwehrgerätehaus, nicht so recht vorwärtskamen. Wenn sich aber Projekte in die Folgejahre verschieben, fließen auch die Abschreibungen erst später in das Ergebnis ein. Das Resultat: einiges blieb liegen, aber die Finanzen waren top.
Für den Bürger funktionierten die üblichen Bereiche der Verwaltung, wie Einwohnermeldeamt, etc. nach wie vor gut. Wehe aber, man kam mit ungewöhnlichen Anfragen, geschweige denn mit neuen Ideen. Die Antwort „wir haben nicht genug Personal“ war Standard. 2023, mit der neuen Bürgermeisterin, begann sich peu a peu die Leistungsfähigkeit der Verwaltung zu verbessern. Es gelang wesentliche Vorhaben der Gemeinde „ins Laufen zu bringen“. Ein Schlüssel dafür war die Besetzung offener Stellen. Zwar blieb es eine schwierige Aufgabe, doch es war machbar. So wurden laut der Aussage im Hauptausschuss am 16.09. sechs Stellen im Jahr 2025 und bis September 2026 weitere sechs neu besetzt.
Sicherlich möchte niemand, dass die Gemeinde in den Zustand mit zu wenig Personal zurückfällt. Auf der anderen Seite treffen die durch kriegerische Auseinandersetzungen ausgelösten Preissteigerungen der letzten Jahre nicht nur das tägliche Leben, sondern ganz besonders auch den Bausektor. Für die Gemeinde steigen also die Kosten. Gleichzeitig gibt es kaum Möglichkeiten die Einnahmenseite substanziell zu erhöhen. Eher müssen die Kommunen aufpassen, dass ihnen Bund und Land nicht noch mehr Kosten aufbürden.
Und wie geht es weiter? Der Hauptausschuss hat die Verwaltung beauftragt eine umfassende Stellen- und Aufgabenkritik durchzuführen. Die Ergebnisse sollen in einer Klausurtagung des Hauptausschusses im ersten Quartal 2027 vorgestellt werden. Schließlich sind die Ergebnisse der Klausurtagung öffentlich in einer Sitzung des Hauptausschusses im zweiten Halbjahr 2027 zu diskutieren. Zwar nur „hinsichtlich der politischen Implikationen“ und unter dem im Hauptausschuss fehlenden Rederecht für Nicht-Gemeindevertreter, aber immerhin.
Lese ich richtig, dass inzwischen für alle (?) nicht besetzten Stellen Kräfte gefunden werden konnten? Wenn das so ist, sollte die Gemeinde nicht jetzt Gelegenheit haben, sich den liegengebliebenen Aufgaben zu widmen? Mir fallen da spontan seit Jahren nicht bearbeitete Rechtsmittel gegen Bescheide für Straßenausbaubeiträge ein. Statt dessen blockiert man manpower mit einer aufwändigen Analyse des Personaleinsatzes? Sicher muss man auch die Kostenfrage beim Personalbedarf im Auge haben. Ob allerdings jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist? Oder ob die Frage im Zusammenhang mit der Mitarbeiterfluktuation gestellt werden könnte?
Sehr gut! Dieter Traut traut sich was! In dieser klaren Sprache hätte wir Wentorfer Bürger alle Protokolle der Gremien.