Der Masterstudiengang Stadtplanung der TH Lübeck erarbeitete im Sommer 2026 ein Konzept zur Entwicklung Wentorfs zu einer „zukunftsfähigen und lebenswerten Gemeinde“. Geleitet wurde das Studienprojekt von Professor Menzl und begleitet durch die Investitionsbank Schleswig-Holstein. Die Ergebnispräsentation dieser studentischen Arbeiten hat die Gemeinde auf ihrer Internetseite www.wentorf.de/aktuelles/Ortsentwicklungskonzept veröffentlicht. Die vorgestellten Konzepte und Ideen sind keine beschlossenen Planungen der Gemeinde Wentorf, sondern sollen als Diskussionsgrundlage dienen. Dieses Angebot greift WiB mit diesem Artikel auf. In einem ersten Teil werden die Aussagen rund um das Thema „Ortszentrum“ zusammengefasst.
Die Bestandsaufnahme ergab, dass die Ortsmitte räumlich und funktional in ein altes und ein neues Ortszentrum zersplittert ist. Neben einem gemeinwohlorientierten Schwerpunkt im alten Zentrum rund um das Rathaus (Verwaltung, Kultur, öffentlicher Character) gibt es ein konsumorientiertes neues Zentrum am Casinopark. Die beiden Zentren sind durch Durchgangsräume getrennt, die in ihrer Aufenthaltsqualität unattraktiv und verkehrlich für Fußgänger und Radfahrende sogar gefährlich sind. In beiden Zentren gibt es kaum Grünflächen. Die Parkflächen nehmen mit 26 % der Fläche mehr Platz ein, als benötigt.
Wie kann aus diesen getrennten Teilräumen eine lebendige Ortsmitte entstehen? Die Möglichkeit der Etablierung eines der beiden Zentren, also des Casinoparks oder des Rathauses, als neuem Zentrum erscheint fraglich. Die bereits beschlossenen Maßnahmen zur Begrünung des Casinoparks reichen nicht aus, die funktionelle Trennung der beiden Zentren zu überwinden. Ergebnis ist die GEMEINSAME Entwicklung des alten und neuen Zentrums als EINE Ortsmitte.
Vorgeschlagene Schlüsselmaßnahmen sind
- Offenes Haus der Begegnung, etwa in der geographischen Mitte
- Durchgängige Achse vom Rathaus zum Casinopark. Schlüssel ist die Umgestaltung des Edeka Parkplatzes. Ziel ist eine sichere Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen Rathaus und Casinopark zu schaffen. Mindest-Maßnahmen wären die Einrichtung von Markierungen für Parkflächen sowie für Fuß- und Radwege. Ein zweiter Schwerpunkt ist eine Erfassung der Auslastung der Parkfläche, ein sog. Monitoring. Mit den Ergebnissen können weiter führende Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität bedarfsgerecht durchgeführt werden.
- Zentrumsmanagement zur Koordination der Interessen von Eigentümern, Gewerbe, Gemeinde und Bürgern. Aufbau langfristiger Strukturen. Zur Finanzierung könnten Fördergelder beispielsweise aus dem Programm „Sieker Land“ eingeworben werden.
- Jahresprogramm „Zentrum“ mit vielen Veranstaltungen. Insbesondere lokale Akteure wie Schulen und Vereine sollen eingebunden werden. Die Besonderheiten Wentorfs sollen sichtbar werden und identitätsstiftend wirken.
Die Vision: „Der Ortskern von Wentorf entwickelt sich bis 2040 zu einer gemeinschaftlichen Mitte, die Versorgung, Aufenthalt, Begegnung, Durchwegung und lokale Identität miteinander verbindet, ohne ihre alltagspraktische Funktion zu verlieren.“
Kommentar: Im Ergebnis haben die Studenten zu diesem ersten von drei Themen nichts wesentlich Neues zu bieten. Unklar bleibt nur, warum sich in Wentorf mit Ausnahme der hoffentlich bald erfolgenden Begrünung des Casinoparks nichts erkennbar in Richtung lebenswertem Ortszentrum bewegt.
Foto: TH Lübeck Präsentation