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Hamburg hat entschieden. Rund 55 % der abgegebenen Stimmen waren gegen Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 in der Stadt. Das ist bemerkenswert – nicht wegen des Ergebnisses selbst, sondern wegen des enormen Aufwands der Befürworter davor: zweistellige Millionenbeträge für Werbung, politischer Rückenwind aus SPD, Grünen und CDU und eine Werbekampagne, die kaum eine Laterne in Ruhe ließ.
Und trotzdem: Nein.
Warum? Ein paar naheliegende, wenn auch nicht wissenschaftlich abgesicherte Vermutungen:
- Kostenschätzungen, die eher nach Wunsch als nach Realität klangen
Die Finanzierung wirkte auf viele unvollständig. Beispiel Sicherheit: grob 3 Milliarden Euro – einfach mal nicht eingepreist. Oder das geplante Leichtathletikstadion im Volkspark, das angeblich „ohnehin gebraucht“ werde und deshalb kostenfrei in der Olympia-Rechnung auftauchte.
Am Ende blieb vor allem der Eindruck: gerechnet wurde eher in Richtung Ziel, nicht von der Realität aus. Kein Wunder, dass sich die Argumentation der Befürworter zunehmend auf vage „Fördermittel des Bundes“ verlagerte – also Geld, das schon irgendwie kommen werde. Wie viel genau? Unklar. Sehr unklar. Parallel dazu in den Nachrichten: Sparzwänge auf Bundesebene, verschobene Programme und eine gewisse Zurückhaltung bei neuen Großausgaben. Das half der Glaubwürdigkeit nicht unbedingt.
- Wenn „die da oben“ sich einig sind, wird unten besonders genau hingeschaut
Ausnahmsweise waren sich die Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und CDU erstaunlich einig. Normalerweise ein politisches Wunder – hier aber Realität. Für viele Bürger wirkte aber genau diese Einigkeit weniger beruhigend als verdächtig. Nach dem Motto: Wenn alle oben nicken, landet die Rechnung unten.
Und der Werbeauftritt tat sein Übriges. Plakate an jedem Mast, große Kampagnen, viel Pathos – und noch mehr Geld. Der Eindruck: Hier stehen sich nicht zwei unterschiedliche Meinungen gegenüber, sondern sehr unterschiedliche Budgets.
- Hamburg ist schon voll – und das merkt man nicht nur im Stadtmarketing
Wer an einem sonnigen Tag versucht, mit der HADAG-Linie 62 nach Finkenwerder zu kommen, braucht keine weiteren Erklärungen. Hamburg ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern ein gut besuchtes Dauer-Event. Ob Olympia das Problem der hohen Mieten verschärft hätte? Schwer zu sagen. Die Spiele dauern nur zwei Wochen – die Preisdynamik in der Stadt deutlich länger.
Am Ende klang das alles für viele weniger nach „Chance“ als nach zusätzlicher „Belastung“ in einer ohnehin gut ausgelasteten Stadt. Was bleibt ist ein schlichtes Ergebnis: Viel Aufwand, viel politischer Wille – und eine Mehrheit, die sich davon nicht überzeugen ließ. Vielleicht aus Skepsis. Vielleicht aus Erfahrung. Oder vielleicht einfach, weil nicht jeder glänzende großer Plan auch ein überzeugender ist.