Die Gemeinde Wentorf muss ihr Kita-Angebot in den kommenden Jahren deutlich an den sinkenden Bedarf anpassen. Der Kreis Herzogtum Lauenburg als zuständige Stelle der Kinder- und Jugendhilfe fordert eine entsprechende Anpassung. Konkrete Entscheidungen über weitere Gruppen oder Einrichtungen gibt es noch nicht. Die politische Beratung beginnt am 24. August 2026 im Bürgerausschuss.
Die Zahl der Kinder in Wentorf wird nach den Prognosen des Kreises, aber auch nach den eigenen Untersuchungen der Gemeinde in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen. Nach den aktuellen Prognosen der Gemeinde werden die Geburten im Jahr 2030 gegenüber 2024 um rund 40 Prozent sinken. Damit wird für die Gemeinde zunehmend klar: Das bisherige Angebot an Kita-Plätzen wird langfristig nicht mehr benötigt. Die Verwaltung hat deshalb am Mittwoch, 19. August 2026, über die geplante Anpassung des Kita-Platzangebots informiert. Dabei wurde ausdrücklich betont, dass zunächst die fachlichen Grundlagen geschaffen und die Kita-Träger in den Prozess einbezogen werden sollen. Konkrete weitere Maßnahmen sind bislang nicht beschlossen. Ganz neu ist die Entwicklung allerdings nicht. Bereits in der Aprilsitzung des Bürgerausschusses war die Reduzierung von 22 Elementarplätzen und fünf Krippenplätzen zum 1. August 2026 beschlossen worden. Auch der Ersatzbau für die Kita „Lütte Lüüd“ soll – wenn auch in verkleinerter Form – kommen. Nach umfangreicher Abwägung war damit zunächst die Hoffnung verbunden, den Abbau von Kita-Plätzen zunächst stoppen zu können. Nun zeichnet sich jedoch ab, dass der Anpassungsprozess weitergehen muss. Dabei spielt auch der vom Kreis vorgegebene beziehungsweise eingeforderte Abbau von Überkapazitäten eine wesentliche Rolle.
Heute 520 Plätze – 2030 deutlich weniger Bedarf
In Wentorf stehen derzeit – einschließlich der bereits beschlossenen Kürzungen – 123 Krippenplätze und 397 Elementarplätze, insgesamt also 520 Plätze, zur Verfügung. Die aktuelle Belegungsquote liegt bei rund 80 Prozent im Krippenbereich und 95 Prozent bei den Elementarplätzen. Für das Jahr 2030 wird dagegen ein Bedarf von lediglich 79 Krippenplätzen und 326 Elementarplätzen prognostiziert. Um weiterhin eine Versorgungsquote von mindestens 75 Prozent bei den unter Dreijährigen und 110 Prozent bei den über Dreijährigen sicherzustellen, müssten nach dieser Berechnung bis 2030 44 Krippenplätze und 71 rechnerische Elementarplätze abgebaut werden. Damit geht es insgesamt um eine Größenordnung von 115 Plätzen, die nach heutiger Prognose im Laufe der kommenden Jahre nicht mehr benötigt werden. Dabei handelt es sich um eine Bedarfsprognose und nicht um einen bereits beschlossenen Abbau. Welche Konsequenzen daraus tatsächlich gezogen werden, muss erst das nun beginnende politische Verfahren zeigen.
Noch ist offen, wo gekürzt wird
Welche Einrichtungen oder Gruppen von einer weiteren Anpassung betroffen sein könnten, ist derzeit ausdrücklich offen. Die Verwaltung hat dafür eine Bewertungsmatrix erarbeitet. Darin werden unter anderem Auslastung, Versorgungsfunktion, bauliche Situation, Wirtschaftlichkeit, Betreuungsangebot, Personalsituation und weitere strukturelle Kriterien berücksichtigt. Die Matrix soll ausdrücklich kein automatisches Schließungsranking sein. Sie dient als Entscheidungsgrundlage. Besonderheiten der einzelnen Einrichtungen sollen zusätzlich geprüft und mit den Trägern besprochen werden. Allerdings macht die von der Verwaltung vorgelegte Bewertungsmatrix auch deutlich, dass Gruppenkürzungen und Kita-Schließungen grundsätzlich Bestandteil des Auswahlverfahrens sind. Je niedriger eine Einrichtung nach den festgelegten und gewichteten Kriterien bewertet wird, desto eher spricht dies für eine Verkleinerung oder Schließung einer Gruppe beziehungsweise einer Kita.
Die Folgen sollen möglichst tragbar bleiben
Die Gemeinde betont zugleich, dass der notwendige Anpassungsprozess nicht zu kurzfristigen und unplanbaren Belastungen für Familien, Träger und Beschäftigte führen soll. Die Verwaltung will deshalb möglichst frühzeitig für Klarheit sorgen und die unterschiedlichen Interessen in die weiteren Überlegungen einbeziehen. Für die Familien soll die Betreuung der Bestandskinder gesichert bleiben; auch die Aufnahme neuer Kinder soll weiterhin gewährleistet werden. Den Trägern sollen frühzeitig Daten zur Verfügung gestellt und in Einzelgesprächen unterschiedliche Umsetzungsvarianten erörtert werden. Auch für die Beschäftigten soll der Prozess möglichst planbar gestaltet werden. Die arbeitsrechtliche Verantwortung liegt zwar bei den jeweiligen Trägern, die Gemeinde will jedoch frühzeitig Planungsklarheit schaffen. Frei werdende Fachkräfte könnten beispielsweise ausscheidende Mitarbeitende ersetzen oder gegebenenfalls durch einen Wechsel des Arbeitgebers im System gehalten werden. Die Verwaltung verfolgt damit nach eigener Darstellung das Ziel, die unvermeidbare Anpassung schrittweise, transparent und mit möglichst geringen Auswirkungen für die Beteiligten umzusetzen.
Eine weitere Besonderheit: I-Kinder
Nicht alle Entwicklungen lassen sich derzeit zuverlässig planen. Die Gemeinde weist insbesondere auf die steigende Zahl von Kindern mit anerkanntem beziehungsweise diagnostiziertem Nachteilsausgleich hin, den sogenannten I-Kindern. Diese Kinder werden bei der Bedarfsberechnung rechnerisch mit zwei Plätzen berücksichtigt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie die bisherige Vielfalt der Kita-Träger erhalten werden kann, wenn einzelne Einrichtungen bei sinkenden Kinderzahlen wirtschaftlich nicht mehr tragfähig sind. Auch darauf gibt es derzeit noch keine abschließende Antwort.
Politik entscheidet erst noch
Die Informationsveranstaltung der Verwaltung am 19. August war ausdrücklich noch keine politische Entscheidung über einzelne Kitas. Fest steht lediglich, dass die vorhandenen Kapazitäten an die erwartete Bedarfsentwicklung angepasst werden müssen. Offen sind dagegen der konkrete Umfang, mögliche betroffene Gruppen und Standorte sowie der Zeitpunkt einer Umsetzung. Die politische Beratung beginnt nun im Bürgerausschuss. Am 24. August 2026 um 19 Uhr wird sich die Politik erstmals mit den neuen Zahlen, den vorgestellten Kriterien und den daraus möglichen Konsequenzen beschäftigen. Damit steht Wentorf vor einem bemerkenswerten Wandel: Nachdem in den vergangenen Jahren zusätzliche Betreuungsangebote geschaffen werden mussten, geht es nun darum, eine Infrastruktur, die für deutlich mehr Kinder ausgelegt wurde, an eine dauerhaft sinkende Kinderzahl anzupassen.
Fest steht zunächst nur eines: Wentorf wird in den kommenden Jahren weniger Kita-Plätze benötigen. Welche Einrichtungen diesen Anpassungsprozess tragen müssen und wie weit die Kürzungen tatsächlich gehen, ist dagegen noch Gegenstand der politischen Diskussion.
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