Demenz entwickelt sich schleichend. Von ersten Anzeichen bis zu einer Diagnose ist es ein weiter Weg. Auch wenn man es auf keinen Fall möchte, kommt doch irgendwann die Frage auf, ab wann ein Heim besser ist, als das Alleinleben. Die Antwort hierauf ist schwierig und hängt sehr an den individuellen Möglichkeiten und Rahmenbedingungen. Da es zu diesem Thema, das jeden angehen kann, kaum Tipps gibt, wird im Folgenden trotz aller Einschränkungen versucht eine Hilfestellung zu geben.
Ausgangspunkt ist immer, dass man einen alten Baum nicht verpflanzen soll. Jeder von uns hat eine Vorstellung davon, was für eine einschneidende Änderung ein Umzug für uns wäre. Und hier geht es nicht nur um einen Umzug, sondern um eine drastische Verkleinerung des eigenen Rückzugraums bei dem man kaum persönliche Dinge mitnehmen kann. Dazu kommt die Frage, was das Heim für jemanden persönlich bedeutet. Es gibt aber auch Kriterien, die darauf hinweisen, dass ein Heim die bessere Lösung sein könnte. Wohlgemerkt: „könnte“.
Kriterium 1: Fehlendes bzw. stark reduziertes soziales Umfeld
Oft ist eine Krankheit der Auslöser, wenn man nicht mehr unter die Leute gehen kann. Das soziale Umfeld engt sich hierdurch ein und es wird ein Prozess in Gang gesetzt, der zur Vereinsamung führen kann. Corona und wie wir mit der Infektionsgefahr umgegangen sind hat zur Vereinzelung alter Menschen geführt. Das Etikett „besonders vulnerable Gruppe“ hat die wenigen Kontakte noch weiter eingeschränkt. Nach dieser Zeit fehlte dann vielen Betroffenen die Kraft alte Kontakte wieder zu beleben.
Kriterium 2: Selbstversorgung nicht mehr gewährleistet
Solange ein alter Mensch körperlich so fit ist, dass er einkaufen geht und für sich kocht, sich also selbst versorgen kann, ist alles gut. Und auch wenn diese Aktivitäten durch die Demenz schleichend eingeschränkt werden, gibt es Möglichkeiten: Essen kann man liefern lassen, die Einnahme von Medikamenten kontrollieren lassen. Und selbst für die körperliche Hygiene kann man sich Unterstützung holen. Und so könnte es weiter gehen, wenn ja wenn sich der Zustand nicht noch weiter verschlechtern würde.
Kriterium 3: Selbstgefährdung
Bei Demenz wird oft vergessen den Herd auszuschalten. Doch auch das lässt sich regeln: den Strom vom Herd abstellen und Essen liefern lassen. Ein kritischer Punkt ist erreicht, wenn trotz eines Anrufes vergessen wird das gelieferte Essen zu sich zu nehmen.
Hitzeperioden werden ab einem mittelschweren Stadium der Demenz lebensgefährlich. Es wird einfach vergessen zu trinken und auch einfachste Maßnahmen mit der Hitze umzugehen, wie nächtliches Lüften werden nicht umgesetzt.
Dazu drohen noch mehr Risiken. Insbesondere Stürze können lebensbedrohlich werden. Die technische Lösung für Alleinlebende mit einem Alarmknopf um den Hals ist bis heute unzulänglich. Erstmal muss man daran denken den Alarm bei sich zu tragen, eine kaum zu bewältigende Aufgabe für Demenzkranke und dann dringt der Alarm nicht immer durch dicke Kellerdecken.
Meine persönliche Meinung: Spätestens ab dem Zeitpunkt an dem Selbstgefährdung erkannt wird, wird es Zeit sicherzustellen, dass er oder sie nicht mehr allein lebt. Sehr oft bedeutet dies das Heim.
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