Mikroplastik ist nichts, was man sieht oder bewusst wahrnimmt. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum es so lange kaum Beachtung gefunden hat. Es ist klein, unscheinbar und taucht nicht plötzlich auf wie eine Umweltkatastrophe. Trotzdem richtet es Schaden an – langsam, dauerhaft und fast überall. Plastik verschwindet nicht einfach. Es zerfällt mit der Zeit in immer kleinere Teile. Aus Flaschen, Verpackungen oder Kleidung werden winzige Kunststoffpartikel, kaum größer als Staub. Mikroplastik entsteht nicht nur durch achtlos weggeworfenen Müll, sondern auch ganz alltäglich: beim Autofahren durch Reifenabrieb, beim Waschen synthetischer Kleidung oder durch bestimmte Kosmetik- und Reinigungsprodukte.
In der Umwelt lässt sich Mikroplastik kaum aufhalten. Besonders in den Meeren wird das Problem sichtbar. Fische, Muscheln und andere Lebewesen nehmen die Partikel auf, weil sie sie nicht von Nahrung unterscheiden können. Die Folgen zeigen sich oft erst nach und nach: Verletzungen im Verdauungssystem, ein dauerhaftes Sättigungsgefühl ohne Nährstoffe und eine schleichende Schwächung der Tiere. Hinzu kommt, dass Mikroplastik Schadstoffe bindet. Umweltgifte haften an den Partikeln und gelangen so direkt in die Körper der Tiere. Dadurch werden ganze Nahrungsketten belastet – mit Auswirkungen, die weit über einzelne Arten hinausgehen.
Lange wurde Mikroplastik als reines Umweltproblem betrachtet. Inzwischen ist klar: Es betrifft auch uns. Über Lebensmittel, Trinkwasser und die Luft nehmen wir regelmäßig Kunststoffpartikel auf. Dass Mikroplastik inzwischen im menschlichen Blut, in der Lunge und in Organen nachgewiesen wurde, ist beunruhigend. Welche langfristigen gesundheitlichen Folgen das hat, ist noch nicht vollständig geklärt. Doch Forschende gehen davon aus, dass Mikroplastik Entzündungen begünstigen, den Hormonhaushalt stören und das Immunsystem belasten kann. Besonders kleine Partikel sind problematisch, weil sie möglicherweise bis in Zellen vordringen. Dass es sich um einen Stoff handelt, der vom Körper nicht abgebaut werden kann, verschärft die Sorge zusätzlich.
Worauf wir als Konsumentinnen und Konsumenten achten sollten
Auch wenn Mikroplastik ein globales Problem ist, beginnt ein Teil der Lösung im Alltag. Kaufentscheidungen haben Einfluss – oft mehr, als man denkt. Bei Kosmetik- und Pflegeprodukten lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe. Begriffe wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) oder Acrylate deuten auf Kunststoffe hin, die als Mikroplastik in die Umwelt gelangen können. Naturkosmetik verzichtet in der Regel darauf. Auch bei Kleidung spielt Mikroplastik eine große Rolle. Synthetische Materialien wie Polyester, Nylon oder Acryl verlieren beim Waschen winzige Fasern, die im Abwasser landen. Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen oder Wolle kann helfen, den Eintrag zu reduzieren. Langlebige Qualität statt schneller Mode ist dabei ein wichtiger Faktor. Im Alltag und Haushalt bedeutet weniger Plastik oft auch weniger Mikroplastik: Mehrweg statt Einweg, Glas oder Metall statt Kunststoff, möglichst wenig Verpackung. Selbst kleine Entscheidungen – etwa eine wiederverwendbare Trinkflasche – haben langfristig Wirkung. Wichtig ist dabei: Niemand kann perfekt konsumieren. Es geht nicht um Verzicht um jeden Preis, sondern um bewusste Entscheidungen dort, wo sie möglich sind. Mikroplastik verschwindet nicht von selbst. Einmal in der Umwelt, bleibt es dort über Jahrzehnte oder länger. Es sammelt sich an, wird weiterverbreitet und gelangt von Generation zu Generation weiter. Das macht Mikroplastik zu einem Problem, das weit über unsere eigene Lebenszeit hinausreicht.
Fazit
Mikroplastik ist kein lautes, sofort sichtbares Problem. Es wirkt im Hintergrund – langsam und dauerhaft. Gerade deshalb ist es so gefährlich. Der Umgang damit ist nicht nur eine Frage von Technik und Politik, sondern auch von Verantwortung im Alltag. Wie wir konsumieren, was wir kaufen und was wir für selbstverständlich halten, entscheidet mit darüber, wie stark Mikroplastik unsere Umwelt und unsere Gesundheit in Zukunft belasten wird.
Beitragsfoto: Ralf Lesko
Drucke diesen Beitrag