Es hätte ein ganz stiller, sehnsuchtsvoller Abend werden können. Ein Abend mit Wind, Meer und Sternen, mit Akkordeonklängen, Gitarren und zwei Stimmen, die von der Weite erzählen. Und tatsächlich: Musikalisch hätten Frank Grischek und Ralf Lübke dafür am 5. September beim Konzert des Bürgervereins Wentorf im Bürgerverein Wentorf e.V. alle Voraussetzungen geschaffen. Wenn da nicht der Andere gewesen wäre. Denn so schön und berührend die Musik der beiden daherkommt – einer schafft es zuverlässig, die romantische Stimmung des anderen mit einer kleinen Spitze, einer provokanten Bemerkung oder einem trockenen Kommentar wieder aus dem Gleichgewicht zu bringen. Was zunächst nach einer musikalischen Störung klingt, entpuppt sich schnell als eigentliches Erfolgsrezept des Abends.
Das Konzert war ausverkauft – und das Publikum bestens aufgelegt.
Schon bald wurde klar: Hier sitzen nicht einfach zwei hervorragende Musiker nebeneinander auf der Bühne. Hier begegnen sich zwei Künstler, die ihr musikalisches Können mit einer gehörigen Portion Selbstironie und einem ausgesprochen eigenwilligen Sinn für „Freundlichkeiten“ verbinden. Frank Grischek entlockt seinem Akkordeon Klänge, die mal leicht und beschwingt, mal melancholisch und tief sehnsuchtsvoll daherkommen. Ralf Lübke verleiht den Songs mit seiner Stimme eine ganz eigene emotionale Färbung. Zusammen nehmen sie ihr Publikum mit auf eine musikalische Reise – dorthin, wo Wind über das Meer zieht und man unter einem Sternenhimmel für einen Moment den Alltag vergessen kann. Doch lange bleibt es nicht bei der Romantik.
Denn kaum ist die Stimmung besonders gefühlvoll, kommt von der Seite garantiert der passende Kommentar. Die beiden Musiker schenken sich nichts. Ihre verbalen „Freundlichkeiten“ zielen immer wieder darauf, den jeweils anderen ein wenig kleiner aussehen zu lassen – natürlich nur, um selbst umso besser dazustehen. Das Ganze wirkt dabei so spielerisch und selbstverständlich, dass man irgendwann den Eindruck gewinnt: Genau so muss es sein. Und das Publikum genießt es.
Musikalisch zeigen Grischek und Lübke, was jahrelange Bühnenerfahrung und handgemachte Musik vermögen. Ihre eigenen Stücke verbinden musikalische Einfälle mit großer Spielfreude. Die Coversongs wiederum sind keine bloßen Kopien bekannter Originale, sondern eigenständige Interpretationen. Billy Bragg, R.E.M., die Beatles oder Robbie Williams bekommen ihren ganz persönlichen musikalischen Anstrich. Dabei reicht das Spektrum von gefühlvollen Balladen und Walzern bis zu Britpop und temperamentvollen Instrumentalstücken. Akkordeon, Gitarre und zwei Stimmen reichen völlig aus, um einen großen musikalischen Raum entstehen zu lassen.
Und dann ist da eben noch dieser Humor. Immer wieder löst ein Dialog zwischen den beiden Musikern Gelächter im Saal aus. Die Grenze zwischen Konzert und Unterhaltung verschwimmt angenehm. Man hört nicht nur zu – man ist mittendrin. Und spätestens als das Publikum begeistert mitsingt und immer wieder kräftig applaudiert, ist klar, dass die beiden Musiker ihr Ziel erreicht haben.
Ein Konzert lebt schließlich nicht allein von dem, was auf der Bühne passiert. Es lebt von der Verbindung zwischen Bühne und Publikum.
Diese Verbindung stimmte an diesem Abend. Die Begeisterung der Gäste war deutlich zu spüren. Gesungen wurde gemeinsam, geklatscht wurde ausgiebig – und gelacht wurde ebenfalls. Es war einer dieser Abende, bei denen man nach dem letzten Stück nicht sofort aufsteht, weil man noch ein wenig in der gerade entstandenen Stimmung bleiben möchte. So wurde aus „Wind, Meer und Sterne“ weit mehr als ein Konzerttitel. Es wurde ein Abend voller musikalischer Geschichten, großer Gefühle, kleiner Bosheiten und viel Humor.
Musikalisch anspruchsvoll, handgemacht und emotional – und gleichzeitig ausgesprochen unterhaltsam.
Für den Bürgerverein Wentorf war das ausverkaufte Konzert damit ein rundum gelungener Abend. Und für die Gäste vermutlich genau das, was ein guter Konzertabend sein sollte: Man geht beschwingt nach Hause, hat gute Musik gehört, viel gelacht, vielleicht ein wenig mitgesungen – und nimmt ein Stück dieser besonderen Stimmung mit.
Beitragsfoto: Ralf Lesko