In Wentorf wird Zusammenarbeit großgeschrieben. Zumindest theoretisch. Praktisch zeigte die Sitzung des Hauptausschusses am 16. März 2026, dass sich dieses Prinzip auch ganz anders auslegen lässt – innovativ, überraschend und vor allem: ohne störende Konkretisierung.
Der Vorstand des Bürgervereins Wentorf e.V. war an diesem Abend von der Bürgermeisterin zur Sitzung des Hauptausschusses geladen. In der Einladung wurde nur genannt, dass die „Zusammenarbeit mit Wentorf im Blick“ erörtert werden soll. Eine Agenda. Konkrete Fragestellungen im Vorfeld, Fehlanzeige! In der öffentlich einsehbaren Tagesordnung fand sich lediglich der Hinweis, dass das Thema im nichtöffentlichen Teil behandelt werden sollte. Worum es also genau gehen sollte, blieb offen.
Der Bürgerverein reagierte pragmatisch. Wenn keine Fragen vorliegen, schickt man diejenigen, die Antworten geben können. Der Vorstand delegierte daher die Teilnahme und informierte die Gemeinde schriftlich: Ralf Lesko, verantwortlich für die Inhalte von „Wentorf im Blick“, und Wolfgang Warmer, zuständig für finanzielle Fragen, würden teilnehmen. Beides Vorstandsmitglieder, fachlich zuständig, ordnungsgemäß benannt. Widerspruch? Keiner!
Der Rahmen ist klar: ein etablierter Verein, gegründet 1959, getragen von ehrenamtlichem Engagement, organisiert mit Satzung, Vorstand und klaren Zuständigkeiten. Auf der anderen Seite die kommunale Struktur mit Bürgermeisterin, Gemeindevertretung und ihren Ausschüssen.
Der Abend beginnt unspektakulär. Öffentlicher Teil, Routine, keine Auffälligkeiten. Dann der nichtöffentliche Abschnitt – und mit ihm eine neue Definition von Zusammenarbeit. Die Vertreter des Bürgervereins verlassen den Raum und warten. Vor der Tür. Zusammen mit anderen, die ebenfalls „nichtöffentlich“ sind. Demokratie im Wartebereich, direkt neben dem Wasserspender – vielleicht der symbolträchtigste Ort dieses Abends. Nach rund 15 Minuten öffnet sich die Tür. Der Ausschussvorsitzende tritt heraus – und beendet das angekündigte Gespräch, bevor es begonnen hat. Man werde nicht mit den anwesenden Vertretern des Vorstands sprechen. Begründung: Die Anwesenden seien nicht „der Vorstand“.
Das muss man sich vor Augen führen: Eine Einladung wird ausgesprochen. Vertreter werden benannt, angekündigt und nicht beanstandet. Und am Ende scheitert das Gespräch genau an dieser Vertretung. Ein Vorgang, der weniger nach Missverständnis als nach Haltung klingt. Offen bleibt auch, warum die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Der Gesetzgeber sieht dies vor, wenn das öffentliche Wohl oder berechtigte Interessen Einzelner betroffen sind. Welche dieser Voraussetzungen hier erfüllt waren, erschließt sich nicht. Der Bürgerverein jedenfalls sah seine Interessen nicht gefährdet. Statt Klarheit entsteht ein anderer Eindruck: Zusammenarbeit scheint in Wentorf vor allem dann stattzufinden, wenn sie exakt den eigenen Erwartungen entspricht – personell wie inhaltlich. Alles andere wird aussortiert. Dabei geht es nicht um irgendeinen Akteur. Der Bürgerverein organisiert seit Jahrzehnten Veranstaltungen, pflegt kulturelle Angebote, betreibt das Heimatmuseum und gibt mit „Wentorf im Blick“ eine lokale Publikation heraus. Ehrenamtlich. Verlässlich. Für die Gemeinde.
Der gesamte Ablauf hinterlässt keinen Eindruck von Missverständnis oder unglücklicher Kommunikation. Er wirkt geplant – zumindest aber bewusst in Kauf genommen. Und genau deshalb drängt sich am Ende eine zentrale Frage mit Nachdruck auf:
Was war hier eigentlich wirklich geplant?
Ein ernsthaftes Gespräch über Zusammenarbeit – oder ein Termin, der von Anfang an nicht auf Dialog ausgelegt war? Wer einlädt, ohne Inhalte zu benennen, Vertreter akzeptiert und sie dann im entscheidenden Moment ohne Erklärung abweist, sendet ein klares Signal. Nur ist dieses Signal alles andere als eines von Offenheit, Transparenz oder partnerschaftlicher Zusammenarbeit.
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