Ein Schulvormittag der besonderen Art erwartete am vergangenen Mittwoch den 14.01.26 die Schülerinnen und Schüler der 10. Lateinklassen am Gymnasium Wentorf: Zwei römische Legionäre „besetzten“ die Aula und entführten ihr junges Publikum auf eine anschauliche Zeitreise in die Antike.
Roland Crocoll und Martin Löchel, die unter ihren Legionärsnamen Gaius und Magnus auftreten, sind Mitglieder der Reenactment-Gruppe Legio XXI Rapax. Die ursprünglich norddeutsch geprägte Gruppe antikebegeisterter Menschen zählt inzwischen Mitglieder aus ganz Europa. Ihr Ziel ist es, Alltag und Erscheinungsbild römischer Legionäre möglichst authentisch zu rekonstruieren und im Selbstversuch nachzuvollziehen. Grundlage ihrer Arbeit bilden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aus Militär- und Gesellschaftsgeschichte sowie der experimentellen Archäologie.
Mit originalgetreu nachgebildeter Ausrüstung machten Crocoll und Löchel das Leben römischer Soldaten greifbar. „Unsere Rüstungen entsprechen historischen Vorbildern und wiegen zwischen acht und 13 Kilogramm. Tunika und Untergewand bestehen aus echter Wolle und Leinen“, erklärten die beiden Legionäre. Neben Helmen, Waffen und weiterer militärischer Ausrüstung hatten sie auch überraschende Alltagsgegenstände im Gepäck – darunter sogar eine antike Klobürste. So erhielten die Schülerinnen und Schüler Einblicke nicht nur in den Militärdienst, sondern auch in das alltägliche Leben einfacher Römer, einschließlich der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen.
Das Interesse der Wentorfer Schülerschaft war groß: aufmerksam hörten sie zu, stellten Fragen und konnten selbst ausprobieren, wie sich Kleidung, Rüstung und Waffen eines römischen Legionärs anfühlen. Ein zentrales Anliegen der Veranstaltung war es, Geschichte nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern körperlich erfahrbar zu machen.
Die Aktion ist Teil einer Initiative der Fachschaft Latein am Gymnasium Wentorf, den Unterricht durch lebendige Einblicke in die römische Antike zu ergänzen. Auch im regulären Unterricht setzen die Lehrkräfte auf Praxisnähe: So fertigen jüngere Lateinschüler römische Schreibtäfelchen an oder erledigen Aufgaben auf Papyrus – geschrieben mit Stilus und Calamus, den originalen Schreibwerkzeugen der Antike.
„Für die Lateinanfänger in Klasse 7 ist das sehr motivierend. Aber auch für die älteren Schülerinnen und Schüler war es eine willkommene Abwechslung, Caesar nicht nur zu lesen, sondern seine Zeit einmal hautnah zu erleben“, erklärten die begleitenden Lehrkräfte Friederike Krüger und Tobias Draese gemeinsam mit Fachschaftsleiterin Verena Victor.
Beitragsfoto: Gymnasium Wentorf