Bergedorfer Weg, eine andere Sichtweise

Zu unserem Beitrag https://wentorf-im-blick.de/gemeinsame-initiative-zur-sanierung-des-bergedorfer-weg/ hat der Anlieger Dr. Ernst Niemeier einen Offenen Brief an den Vorsitzenden des Liegenschaftsausschusses und die Fraktionsversitzenden mit folgendem Inhalt geschrieben:

 

„Die „neuen Ideen“ missachten die Empfehlungen der Baumgutachter und berücksichtigen wichtige sachlich begründete Gestaltungsvorschläge der Anlieger nicht:

1. Es sollen wunderschöne Bäume wie der Baum Nr. 14 gefällt werden, obwohl die Baumgutachter zwar Brandkrustenpilz festgestellt, ihn aber gründlich geprüft haben und zum Ergebnis kamen, dass der Baum stabil sei und nicht gefällt werden müsse. Deshalb ist es nicht notwendig, die grüne Qualität des Wohngebietes zu beschädigen. Auf dem Hintergrund der drohenden Klimaentwicklung und der negativen Umweltwirkung (Bienen, Vögel) wäre das Fällten zudem verantwortungslos. Deshalb ist das Fällen aller Bäume, für die die Baumgutachter ein Fällen nicht vorgeschlagen haben, in der Planung zu streichen.

2. Der Fußweg vor den Grundstücken 7 bis 15, der grundsätzlich mindestens 2,70 m breit ist und nur an den kurzen Strecken der Bäume auf in der Regel 1,70 bis 1,50 m eingeengt wird und deshalb eine völlig ausreichende Breite aufweist, soll auf mindestens 3 m verbreitert werden; der Fußweg soll – anders als an den meisten anderen Fußwegen in Wentorf – einen Mindestabstand zwischen Baum und eigentlichem Fußweg von 1 m haben und dann mindestens 2 m breit sein. So wird erreicht, dass die Grundstückseigentümer Grundstücksteile zurückgeben müssen, Spielanlagen, Carports, Drahtzäune, Hecken und Mauern zurückbauen müssen und wegen der Hanglage Zugangsprobleme bekommen. Die Begründungen für die geplante Veränderung des bestehenden Fußweges sind aber nicht stichhaltig. Forstwissenschaftler bestreiten, dass Fußgänger mit ihrem Gewicht die Baumwurzeln beschädigen. Die ganz selten vorkommende Begegnung von zwei Kinderwagen oder zwei Rollatoren kann ggf. durch ein nur sekundenlanges Warten ermöglicht werden. Und sowohl im zweiten Bauabschnitt als auch an vielen anderen Straßen in Wentorf sind die Fußwege sogar auf längeren Strecken als einer Baumstärke geringer als 2 m. Daraus wird ersichtlich, dass die Forderung auf durchgehende Breite von 2 oder gar 2,50 m rein willkürlich zu Lasten der Grundstückseigentümer geht. Diese Planung muss korrigiert werden.

Darüber hinaus werden durch die „neuen Ideen“ andere problematische Planungselemente überhaupt nicht angesprochen oder berechtigte Vorschläge der Anlieger übergangen:

* Die Bäume zur Straße mit einem Schutzbeet von ca. 1 m abzugrenzen und diese Stellen möglichst zur Verkehrsberuhigung (30 km-Zone!)  und an einigen Stellen zur Parkmöglichkeit nutzen. Die Behauptung, dass dadurch die Flüssigkeit des Verkehrs verhindert werde, übersieht, dass dadurch eine Entschleunigung auf 30 km/h erreicht werden soll und die Flüssigkeit – wie gewünscht – nur reduziert wird. Deshalb ist eine entsprechende Korrektur notwendig.

* Die Verschiebung der Straße in westliche Richtung lässt sie an vielen Grundstücken direkt an der Grundstücksgrenze der Anlieger verlaufen. Das bringt zusätzliche Lärm-, Abgas- und Erschütterungsbelästigungen sowie Verkehrssicherheitsprobleme und erübrigt sich auch durch die vorgeschlagenen Baumschutzbeete. Die Planung sollte deshalb korrigiert werden.

* Ein gleichmäßig über den Bergedorfer Weg verteiltes Parkangebot für Besucher, Notarztwagen, Handwerker muss geschaffen werden. Das Argument der Verwaltung, dass im Traufbereich der Bäume nicht geparkt werden dürfe, wird schon durch die auch in Wentorf festzustellende Praxis widerlegt, dass an vielen anderen Straßen Parkmöglichkeiten im Traufbereich der Bäume angeboten werden. Beispiel Hauptstraße gegenüber dem Rathaus. Die Planung ist willkürlich und muss korrigiert werden.

* Die geplanten Begegnungsmöglichkeiten von zwei LKW müssen gleichmäßig verteilt werden; wegen des verfügbaren Raumes vielleicht am besten an einmündenden Straßen geschaffen und in gleichmäßiger Breite – nicht wie geplant – ganz unterschiedlich breit realisiert werden. Die Planung muss korrigiert werden.

Erwähnt sei noch, dass die „neuen Ideen“, die in einem Beschlussvorschlag dem Liegenschaftsausschuss zugleitet wurden, wiederum nicht mit den Anliegervertretern – entgegen der Zusage an die Anlieger – abgestimmt wurden.“

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2 Gedanken zu „Bergedorfer Weg, eine andere Sichtweise

  • 12. August 2021 um 16:16
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    Ergänzend sei noch darauf hingewiesen, daß das Baumgutachten vom Februar 2020 zu den Bäumen Nr. 14 und 16, beide mit Brandkrustenpilz befallen, schreibt, die seien nur noch mittelfristig erhaltensfähig. D. h. für die nächsten 5 – 10 Jahre. In 3 Jahren, also zu Beginn des Jahres 2023 sei eine erneute Begutachtung nötig. Das liegt dann voraussichtlich im Zeitraum der Bauarbeiten und gilt auch für Baum 15. Die richtige Wiedergabe des Gutachtens wäre anzuraten.

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  • 11. August 2021 um 10:06
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    Es ist sicher sinnvoll, sich über die folgen eines Befalls mit dem Brandkrustenpilz zu informieren.
    Auf Wikipedia ist z. B. folgendes zu lesen:
    „Der Pilz kommt sehr häufig in Europa und Nordamerika parasitisch und saprobiontisch vor allem in und an Buchen, aber auch in anderen Laubbäumen vor, beispielsweise in Ahorn-Stämmen. Er ist ganzjährig zu finden, die Sporen reifen im Herbst. Der Pilz verursacht Moderfäule in Wurzeln und bodennahen, seltener in höheren Stammregionen. Von außen gesehen zeigen sich häufig keine Schäden. Krustenförmige, mehrere Zentimeter breite, graue, in älteren Stadien schwarze, kohlige Überzüge (Fruchtkörper) mit oft aufgewölbtem Rand unmittelbar an der Stammbasis sind meist erst nach dem Zusammenbruch der Bäume sichtbar. “
    http://www.fragdenstaat.de schreibt
    „Brandkrustenpilz
    Neben Lackporlingen und Riesenporling zählt der Brandkrustenpilz zu den gefährlichsten holzabbauenden Pilzarten. Seine Fruchtkörper sind nur im Frühjahr guterkennbar und es bedarf einer gewissen Übung zur Erkennung der Gefahr, die von ihm ausgeht. Neben einer intensiven Weißfäule kann der Pilz auch eine Moderfäule hervorrufen und somit unter hohen Feuchtigkeitsverhältnissen im Holz die Stand- und Bruchsicherheit von befallenen Bäumen extrem gefährden. Wurzel- und Holzkörper verlieren bei Befall schnell an Festigkeit, sodass der Brandkrustenpilz je nach Wirtsbaumart unterschiedlich beurteilt werden muss. Es kommt dann oftmals zum gefürchteten Umsturz von komplett vitalen und rein äußerlich kerngesunden Bäumen, an denen quasi das gesamte Wurzelwerk zerstört ist.
    Die Fruchtkörper sind nicht leicht erkennbar. Sie liegen meist tief am Stammfuß oder in Wurzelnischen und sind oft von der abbröckelnden Borke schwer zu unterscheiden. Wenn der Pilz über die Sommermonate seine Fruchtkörper ausbildet, sehen diese aus, als würden sie zur Rinde gehören. Vor allem wenn nur einige Quadratzentimeter des Pilzfruchtkörpers am Baum ausgebildet sind, ist der mehrjährige Sammelfruchtkörper für ein ungeübtes Auge nicht einfach zu erkennen. Im Sommer entwickeln sich die Fruchtkörper und überziehen die Rinde mit einer schwarzen, polsterförmigen Schicht und wirken höckerig und leicht aufgeblasen. Die schwarze Kruste (Brandkruste… !), lässt sich mit dem Zeigefinger eindrücken, wobei ein typisches Knacken zu hören ist.“
    Es ist also nicht immer so, dass ein scheinbar gesunder Baum auch wirklich gesund ist. In welchem Zeitraum ein befallener Baum dem Befall zum Opfer fällt, ist nicht vorauszusehen.

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